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Corona-Virus: Beirat für Menschen mit Behinderung bittet um mehr Rücksichtnahme und Solidarität

Der Beirat für Menschen mit Behinderung hat sich angesichts der steigenden Corona-Neuinfektionen mit einem offenen Brief an die Bevölkerung gewandt. Der Beirat bittet darin um Rücksichtnahme gegenüber besonders gefährdeten Personen. Dazu gehören neben älteren sowie pflegebedürftigen und kranken Bürgerinnen und Bürgern auch Menschen mit Behinderung und Personen mit einer Vorerkrankung.
Laut dem Beirat kommt hinzu, dass die Barrieren und Einschränkungen im Alltag in der aktuellen Pandemie noch deutlicher zu spüren seien: Zum Beispiel ist die Kommunikation (Lippenlesen, Mimik) für Schwerhörige und Gehörlose durch die Mund-Nase-Bedeckungen erschwert. Sehbehinderte oder Blinde können die Abstandsstreifen auf dem Boden, Plexiglas-Abtrennungen oder die Platzierung von Desinfektionsmitteln nicht erkennen. Des Weiteren ist das Zurückfahren von sozialen Kontakten belastend: Oft mühsam aufgebaute Routinen fallen ebenso weg wie zwischenmenschlicher Zuspruch oder die Möglichkeit, der geregelten Arbeit nachzugehen.
Simone Fischer, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, sagte am Freitag, 28. August: „Gerade auch in schwierigen Zeiten muss gewährleistet sein, dass der Gedanke der Inklusion unser gesellschaftlicher Kompass bleibt. Behinderte Menschen müssen gleichberechtigt und möglichst selbstbestimmt ihr Leben gestalten können. Es ist notwendig, dass bestimmte Gruppen zwar geschützt, aber nicht benachteiligt werden. Ein besonnenes Miteinander, die Beteiligung Betroffener und der Ausbau inklusiver Strukturen können die Antwort sein, um unter erschwerten Lebensbedingungen besser durch die Krise zu kommen.“
In seinem offenen Brief, den es auch in leichter Sprache gibt, wirbt der Beirat für Verständnis und noch mehr Solidarität mit Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen. Mit dem Schreiben sollen Stadtgesellschaft und Verantwortungstragende sensibilisiert werden. Zudem ruft der Beirat dazu auf, Risiken zu verringern und die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln ernst zu nehmen. In dem Brief heißt es: „Das Abstandhalten und Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in bestimmten Situationen ist Zeichen eines respektvollen und vernünftigen Miteinanders. Alle, die es können, bitten wir nachdrücklich, sich daranzuhalten, damit alle Menschen gute Bedingungen vorfinden und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“
Informationen zum Beirat für Menschen mit Behinderung
Der Beirat für Menschen mit Behinderung der Landeshauptstadt Stuttgart steht dem Gemeinderat, seinen Ausschüssen und der Stadtverwaltung als sachverständiges Gremium zur Seite. Er vertritt die Interessen der Menschen mit Behinderung, damit sie gleichberechtigt und selbstbestimmt am Leben in der Stadtgesellschaft teilnehmen können. Der Beirat informiert über besondere Anliegen behinderter Menschen und formuliert die Anliegen sowohl gegenüber politischen Gremien als auch der Öffentlichkeit. Hierzu gehört es, bessere Lebensverhältnisse und eine barrierefreie Umwelt sowie die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung zu schaffen. Der Beirat begleitet die Umsetzung des Stuttgarter Fokus-Aktionsplans UN-BRK.
Er setzt sich aus Mitgliedern mit unterschiedlicher Behinderungserfahrung zusammen, z.B. körperliche Behinderung, Mobilitätseinschränkung, chronische Erkrankung, Blindheit, Sehbehinderung, Hörbehinderung, Taubblindheit. Zu den beratenden Mitgliedern gehören neben Stadträtinnen und Stadträten aller Fraktionen die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung sowie eine erfahrene Person aus der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Vorsitzende des Beirats ist die Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration, Dr. Alexandra Sußmann.

Offener Brief des Beirats für Menschen mit Behinderung
Offener Brief des Beirats für Menschen mit Behinderung in Leichter Sprache